Zur Eröffnungsfeier der Interkulturellen Woche gab es eine Modenschau der Klasse AVdual 3, sowie ein interkulturelles Büffet mit gambischem Essen. Herr Rauch sprach unter dem Titel „Vielfalt verbindet“ das Schlusswort auf der Veranstaltung.

Am runden Tisch saßen sie vor einigen Monaten zusammen und haben eine interkulturelle Woche in Hechingen vorbereitet: Verantwortliche der Stadt, der Vereine, Sozialer Einrichtungen, der Kirchen, Vertreter der Moschee, der Synagoge, Vertreter der Polizei, des Jugendamts, der Ausländerbehörde, Jugendarbeiter, die Schulen und viele, viele Ehrenamtliche. Tolle Ideen sind zusammen gekommen. Es ist beeindruckend, dass in Hechingen so viele Gruppen miteinander kooperieren und zusammen arbeiten. Die Organisatoren haben ein attraktives, abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Wir danken, dass diese Veranstaltung in Hechingen möglich gemacht wurde. Danke an die Integrationsbeauftragte Hanna Johner, danke an den Caritasverband mit Herrn Schubert an seiner Spitze, danke an alle, die mitgeholfen haben bei der Vorbereitung, danke an Bürgermeister Philip Hahn.

Eine interkulturelle Woche: Was heißt das? Was heißt eigentlich: Interkulturell?

Das Teilwort „inter“ kennen wir aus vielen Wortzusammensetzungen, z.B. interdisziplinär. Fachwissenschaften, die interdisziplinär arbeiten, schauen über den Tellerrand ihres Faches. Sie sehen, dass auch andere an einem gleichen Thema arbeiten und gleiche Ziele haben. Sie haben also etwas Gemeinsames und sie wollen über bisherige Grenzen hinweg miteinander arbeiten. Und denken wir an das Wort „inter-national“. Ein international gefeierter Star, wird z.B. mehrere Staaten übergreifend, Grenzen überschreitend gefeiert. Die Feiernden haben etwas Gemeinsames, Grenzen überwindendes: die Freude an diesem Menschen.

Schauen wir auf das zweite Teilwort von interkulturell: „Kultur“. Die Kultur eines Volkes, so kann man lesen, ist alles, was dieses Volk bislang geistig und künstlerisch geleistet hat. Soweit so gut! Diese Leistungen, die in dem Wort Kultur zusammengefasst werden, haben einzelne Völker nicht einfach zum Spaß erbracht, sondern sie entsprangen dem Drang zum Überleben und dem Wunsch das Leben so zu führen, dass es gelingt. Denn das ist allen Kulturen gemeinsam: das Zusammenleben so zu regeln, dass man überlebt und das Leben gelingt.

Schauen wir also nicht auf Trennendes, sondern entdecken das Gemeinsame, den Wunsch nach gelingendem Leben. Eine interkulturelle Woche soll Menschen dazu anregen, den Blickwinkel zu ändern, mal nicht das Andere, das Fremde anvisieren, sondern die Ansätze und Bemühungen entdecken wie andere das Leben angehen, damit es gelingt.

Politisch und gesellschaftlich leben wir alle in einer angespannten Zeit. Viele Menschen artikulieren heimlich oder offen Ängste. Viele fühlen sich an die Wand gedrückt. Sie nehmen eine Verteidigungsposition ein. Sie fragen sich mehr und mehr: Wo bleiben unsere Werte? Müssen unsere Werte verteidigen? Müssen wir unsere Werte verteidigen und uns abgrenzen? Müssen wir unsere Werte verteidigen, Grenzen aufbauen und Grenzen dicht machen? Werte kann man nicht verteidigen! Man kann Werte nicht verteidigen! Dieser Gedanke unterstellt: Man könne Werte konservieren, einschließen, für sich festhalten und in einen Tresor schließen. Werte kann man nicht verteidigen! Werte wollen gelebt, vorgelebt, aktiv gezeigt werden.

Unsere Werte haben eine Geschichte, wir haben sie entwickelt. Sie sind der Garant für ein gelingendes Zusammenleben. Und das gilt nicht nur für uns, sondern für jede Kultur. Das gilt für Amar aus Syrien, für Musa aus Gambia, Erietta aus Griechenland und Thabile aus Südafrika und Enes aus der Türkei. Werte, die das Leben verlässlich, schön und sicher machen, das ist das, was alle Kulturen gemeinsam haben, was sie vereint. Wovor sollten wir Angst haben? Wir sind mit allen Kulturen zusammen auf der Suche nach einem Leben, in dem wir zusammen leben und unseren je eigenen Platz finden können. Da haben Angst und Ressentiments keinen Platz. „Vielfalt verbindet.“ Das war das Motto der diesjährigen interkulturellen Woche: Ja, das stimmt. Warum verbindet Vielfalt? Weil es vielfältige Wege gibt, wie man zu einem gelingenden Leben gelangt. Wir machten uns in dieser Woche auf zu einer Entdeckungsreise!! Diese Reise fand am Freitag, 05. Oktober in der Synagoge ihren Abschluss mit dem interreligiösen Friedensgebet. Ein Abschluss, der gleichzeitig ein Startschuss für weitere gemeinsame Zusammenkünfte sein muss.

Karl-Heinz Rauch

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