Ihre Studienfahrt führte die gesamte, zwölfte Klassenstufe der Alice Salomon Schule Hechingen vom 18. – 22. Juli 2016 nach Prag, der Hauptstadt Tschechiens. Uns erwarteten fünf Tage voller Spaß und Action. Eine Besonderheit auf dieser Studienfahrt waren Challenges, die uns die ganze Zeit über begleiten würden. Hierbei wurden Gruppen gebildet, die sich jeweils 10 Aufgaben ausdachten, die von einer anderen, willkürlich ausgesuchten Gruppe in Prag so gut wie möglich gemeistert werden sollten. Wer es schaffte, die meisten Challenges erfolgreich zu absolvieren, dem winkte ein „herausragender Preis“.

Am Montag, den 18.7.2016, versammelten wir uns alle auf dem Parkplatz unserer Schule, wo wir von einem Doppeldecker-Reisebus mit eigener Minibar abgeholt wurden. Acht Stunden dauerte die Reise nach Prag, doch die Langeweile hielt sich in Grenzen. Schließlich konnte geplaudert oder geschlafen werden, und auch diverse Spiele wurden gespielt. Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich unser Hotel, konnten unsere Zimmer beziehen und uns ein wenig in der Gegend umsehen. Am Abend fuhren wir alle gemeinsam in die Innenstadt zum bekannten Wenzel-Platz, wo jede Menge Restaurants, Läden und Sehenswürdigkeiten auf uns warteten. Die weitere Gestaltung des ersten Abends in Prag war jedem selbst überlassen.

An unserem ersten, richtigen Tag in Prag erwartete uns alle zunächst einmal eine Stadtführung. Wir wurden durch die hübschen Straßen geführt und bekamen so eine erste Orientierung und einen Einblick in die Stadt. Wir erfuhren, dass Prag zu den ersten Universitätsstädten ge-hört hatte und zeitweise neben Rom und Konstantinopel drittgrößte Stadt ganz Europas gewesen war. Wir betrachteten das Rathaus mit der wunderschönen Uhr, liefen ein Stück weit auf der berühmtesten Sehenswürdigkeit Prags, der Karlsbrücke entlang, gingen durch das ehemalige Judenviertel mit der ältesten, noch erhaltenen Synagoge und kamen am Geburtshaus des berühmten Schriftstellers Franz Kafka vorbei. Nachdem unsere Stadtführung vorüber war, versammelten wir uns alle vor dem Rathaus. Nun stand die Ziehung der jeweiligen Challenges an, die wir während unseres Pragaufenthaltes bestmöglich erfüllen sollten. Die Aufgaben waren alles andere als unkreativ: Maccarena-tan-zen mit ein paar anderen Pragern, eine Rap-Version von „Alle meine Entchen“ vor einem der Denkmäler singen, Bierdeckel sammeln, einen erfundenen Tanz vor dem sogenannten „Tanzenden Haus“ aufführen, das seinen Spitznamen aufgrund seiner ungewöhnlichen Bauweise erhalten hat….

Um die jeweiligen Challenges absolvieren zu können, stand uns nun der restliche Tag zur freien Verfügung. Wer Lust hatte, bekam am Abend noch die Möglichkeit, gemeinsam mit den Lehrern den Rathausturm zu erklimmen, um von dort aus einen großartigen Blick über die Stadt zu haben.

Am Mittwoch stand ein etwas bedrückender Programmpunkt an: der Besuch des Arbeitslagers Theresienstadt. Während des zweiten Weltkrieges wurden hier mehrere hundert Häftlinge, die nicht in das Idealbild der Nationalsozialisten gepasst hatten, unter schlimmen Bedingungen gefangen gehalten. In einem Arbeitslager wurde zwar, im Gegensatz zu Vernichtungslagern oder Konzentrationslagern, keine gezielte Euthanasie durchgeführt, doch natürlich starben dennoch sehr viele Menschen an Hunger, Kälte, Krankheit, etc. Wir erhielten eine Führung durch die komplette Anlage. Ein solcher Ort, an dem Menschen einander unfassbare Grausamkeiten angetan hatten, lässt wohl niemanden unberührt. Uns wurden die „Wohnräume“ der Häftlinge gezeigt, die vielmehr einem Tierverschlag glichen, ebenso die mehr als zwanzig Einzelzellen, die Duschen der Gefangenen (die aus Kostengründen nur einmal im Monat in Betrieb genommen wurden), oder den Ort, an dem ungehorsame Häftlinge erschossen oder erhängt wurden. Die Nationalsozialisten, die in Theresienstadt gelebt hatten – etwa Wächter, etc. – hatten dagegen ein durchaus luxuriöses Leben direkt neben den Zellen der Häftlinge geführt. Ihnen standen ein eigenes Freibad, ein Park und sogar ein kleines Kino zur Verfügung.

Nach dem Besuch in Theresienstadt gab es die Möglichkeit, ein kleines Museum in der Nachbarstadt zu besichtigen, das ebenfalls um die Zeit des Nationalsozialismus behandelte. Dort waren etwa Zeichnungen von Kindern ausgestellt, die in einem Konzentrationslager gelebt hatten. Ein paar Wände waren eng mit den hunderten Namen all jener Kinder bedruckt, die die Zeit im KZ nicht überlebt hatten. Auch einige Bilder oder Originaltexte aus Tagebüchern waren zu finden, ebenso wie Originalgegenstände aus Theresienstadt – etwa eine Schöpfkelle, einen Duschschein oder ein Waschbeutel.

Am Donnerstagmorgen stand für uns alle eine gemeinsame Schiffsfahrt auf der Moldau an. Mit einer kleinen Fähre schipperten wir an vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten vorbei – etwa der Karlsbrücke – die nun aus einer ganz anderen Perspektive bewundert werden konnten. Von der Audio-Erklärung in vielen unterschiedlichen Sprachen, die zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten eingespielt wurde, bekam allerdings kaum jemand ein Wort mit. Schließlich erwartete unsere Stufe auf dieser Schifffahrt gleich zwei Challenges: Zum einen wurde lauthals das Seemanns-Lied „Eine Seefahrt, die ist lustig“ gesungen, zum anderen der bekannte Maccarena-Song per Tanzeinlage aufgeführt. All das sorgte für eine ausgelassene Stimmung und jede Menge Lacher.

Ein weiterer Höhepunkt dieses Tages war die gemeinsame Besichtigung der Brauerei des „Pilsner Urquells“. Dort wird seit mehr als 100 Jahren Bier gebraut und millionenfach in die ganze Welt verkauft. Nachdem wir ein leckeres Mittagessen in der Brauereihalle genossen hatten, bekamen wir eine interessante Führung durch die gesamte Brauerei. Wir fuhren im größten Aufzug der tschechischen Republik, sahen einen Film im drehbaren Kino und auf einer 360-Grad-Leinwand, betrachteten die riesigen, kupferfarbenen Bottiche, in denen das Bier gebraut wurde, und durften Hopfen-Samen probieren – die allerdings extrem bitter schmeckten. Schließlich ging es hinunter in den 7 Grad kalten Keller, der uns in unseren T-Shirts ganz schön zittern ließ. In den langen, weitläufigen Gängen, die in den Felsen geschlagen worden waren, wurden früher die Bierfässer gelagert. Wer über 18 Jahre alt war, durfte hier einen Becher des Pilsner Urquell kosten – frisch aus dem Fass! Nachdem die Führung schließlich vorüber war, fuhren wir wieder zurück nach Prag und hatten den restlichen Tag zur freien Verfügung.

Am Freitag war schließlich der Abreisetag gekommen. Viel zu schnell sind die wunderschönen Tage in Prag zu Ende gegangen. Acht Stunden im Reisebus können ganz schön lang werden – gut, dass unsere Lehrer diverse Spiele und Rätsel erfunden hatten, um uns die Zeit ein wenig zu verkürzen. Ansonsten musste auch so einiges an Schlaf nachgeholt werden… ein letztes Highlight war der gemeinsame Tanz zum sogenannten „Ketchup-Song“, der von einigen Schülern und Herr Baumhauer im Bus als Spontanaktion kurz vor Hechingen durchgeführt wurde, als wir ohnehin im Stau standen.

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich den Parkplatz der Alice-Salomon-Schule, wo alle schon von ihren winkenden Freunden oder Eltern erwartet wurden. Unsere Studienfahrt nach Prag war auf jeden Fall eine Zeit, aus der wir viel mitgenommen ha-ben – Erfahrungen, Erlebnisse, und manche sogar das ein oder andere Tattoo…

Bericht: Maike Stopper, JS 1c

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